Gedanken zur Beschaffung von Ausrüstung für Extremjagden

Im Prinzip braucht man für die allermeisten herausfordernden Jagden im Wesentlichen nur zwei Dinge: eine zuverlässige und präzise Waffe mit einer guten Optik in passendem Kaliber und mit geeigneter Patrone sowie ein paar gute, sorgfältig eingelaufene Bergstiefel.
Aber manchmal reicht das eben nicht. Schweres Gelände, extreme Temperaturen oder die Art der Reise erfordern, sich darüber hinaus Gedanken über weitere Ausrüstung zu machen.

Sobald man beispielsweise auf einer mehrtägigen Tour zu Fuß bei Temperaturen um den Gefrierpunkt übernachten muss, braucht man nicht nur passende Bekleidung, sondern auch einen guten Rucksack und ein geeignetes System aus Schlaf- und Biwaksack. Diese Ausrüstung muss nicht nur robust genug für die Tour sein, sondern auch noch möglichst leicht. Man muss schließlich das Ganze über Tage hinweg tragen. Und auf einmal ist man jeweils bei Kosten von mehreren hundert Euro.

Aber nicht nur dieses Investment sollte einen dazu zwingen, seine Ausrüstung sehr sorgfältig auszuwählen, sondern mehr noch die Konsequenzen, die eintreten können, wenn wichtige (vielleicht sogar überlebenswichtige) Ausrüstung versagt. Nicht nur, dass man einen Gegenstand vor Ort wahrscheinlich nicht ersetzen und die Tour nicht unterbrechen kann. Mehr noch: Die ganze Jagd, zu der man vielleicht viele tausend Kilometer angereist ist und für die man sehr viel Geld ausgegeben und sich lange vorbereitet hat und im Extremfall sogar die Gesundheit oder das Leben können gefährdet sein.

Die Beschaffung von Ausrüstung kann also wegen ihrer Bedeutung für Jagderfolg, Gesundheit und Leben sowie wegen ihrer finanziellen Implikationen eine entscheidende Rolle bei der Reiseplanung spielen und bedarf deshalb besonderer Überlegung.

Im Folgenden beschreibe ich mein Vorgehen bei der Beschaffung, das ich wie folgt gliedere:
  • Erarbeiten eines Anforderungsprofils
  • Woher bekommt man Anregungen für Ausrüstung?
  • Woher bekommt man kaum oder keine Anregungen?
  • Wie sieht die tatsächliche Auswahl aus?


Die Messe "Wild und Hund" gibt jährlich neue Anregungen für Waffen und Gerät


Erarbeiten eines Anforderungsprofils
Jedes Reiseziel stellt in Abhängigkeit von u.a. Wildart, Gelände und Klima unterschiedliche Anforderungen an die Ausrüstung des Reisenden. Am besten beschafft man sich deshalb zunächst allgemeine Informationen zu den genannten Parametern und versucht dann, ein spezifisches Anforderungsprofil zu definieren.

Quellen für allgemeine Informationen sind z.B. die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes, deutsche und internationale Jagdberichte (Bücher, Zeitschriften, mündliche Berichte Reisender, Youtube-Videos), Informationen des Reisevermittlers, Handbücher über das jeweilige Reiseziel (unabhängig von der Jagd).
Es dürfte klar, sein, dass alle diese Quellen jeweils nur Ausschnitte beleuchten und unterschiedliche Grade von Glaubwürdigkeit haben. So hilft mir eine Klimatabelle von Prince George in Kanada nur bedingt, wenn ich in den Rocky Mountains auf großer Höhe übernachte oder ein Zeitschriftenartikel über eine Plains Game Jagd im März in Namibia gibt nur bedingt Hinweise zu einer Jagd auf Dangerous Game im gleichen Land im Juli.
Dennoch wird es möglich sein, aus der Summe der Quellen verläßliche Anhaltspunkte über ein Anforderungsprofil zu erhalten. Lautet die Anforderung beispielsweise "Übernachten" im Jagdgebiet in einem Fly Camp, so ist damit noch nicht gesagt, ob ich ein Zelt oder Tarp oder Biwaksack brauche und eher einen Kunstfaser- oder Daunenschlafsack mitnehmen sollte.
Zur Beantwortung der Frage, welche Anforderung ich mit welchem Produkt (oder System aus Produkten) erfüllen kann, muß ich dann entweder auf eigene Erfahrungen oder auf Anregungen von Außen zurückgreifen.


Gerade bei Nahrungsmitteln ist eine "Felderprobung" Pflicht. Zu unterschiedlich reagieren Menschen darauf


Woher bekommt man Anregungen für Ausrüstung?
Relevante Anregungen bekommt man aus Quellen, die nachweislich über Erfahrungen verfügen, die für das eigene Vorhaben wichtig sein können.
Zu diesen Quellen zählen für mich insbesondere:
  1. "Benachbarte" Sportarten wie Bergsteigen, Trecking, Skitouren gehen, Fischen usw.
  2. Militär und ähnlichen Organisationen
  3. (Internationale) zeitgenössische Militärliteratur
  4. (Internationale) zeitgenössische Jagdberichten
  5. Jagdreisevermittler, Outfitter, Guides
  6. Jagd- und Outdoor-Messen

Bei der Auswertung dieser Quellen halte ich mich an die Grundsätze
  • Persönliche Vorurteile/Präferenzen zumindest zu erkennen, am besten jedoch auszuschalten
  • Mich zunächst nicht von finanziellen Erwägungen beeinflussen zu lassen

Was bedeutet das im Einzelnen?

1. "Benachbarte" Sportarten wie Bergsteigen, Trecking, Skitouren gehen, Fischen usw.
Extremjagden haben häufig etwas von Zehnkampf, verlangen beispielsweise Bergmärsche, Klettern und Reiten in schwierigem Gelände. Da ist es nur natürlich, sich die Ausrüstung von Spezialisten in den jeweiligen Disziplinen anzusehen. Erfahrene und ambitionierte Bergsteiger oder Reiter wissen häufig sehr genau, was es am Markt gibt und welche Vor- und Nachteile der jeweilige Ausrüstungsgegenstand hat. Hier kann man sich nicht nur im Hinblick auf Ausrüstung Rat holen, sondern auch gemeinsam trainieren.
Mein Tagesrucksack für die Bergjagd hat beispielsweise nichts mit Jagd an sich zu tun, sondern er stammt aus dem Fels- und Eisklettern und ist ultraleicht und dennoch robust. Er ist zwar nicht tarn- oder erdfarben, sondern schwarz, aber das spielt bei den Entfernungen zum Wild in den Alpen oder Rockys auch keine große Rolle, außerdem kann ich ihn mit meinem Shemag abdecken, wenn ich ihn als Waffenauflage sehr nah am Wild einsetzen möchte. Ich habe wochenlang nach einem leichten Rucksack gesucht, den ich in einen größeren Rucksack stecken und von einem Basislager in den Bergen aus dann benutzen kann. Erst bei einem Ausstatter für Bergsteiger bin ich fündig geworden. Alle anderen waren viel zu schwer und/oder nicht robust genug.

2. Militär und ähnlichen Organisationen
Selbst die Massenarmeen der Wehrpflichtzeit haben ihren Soldaten viele brauchbare Ausrüstungsgegenstände zur Verfügung gestellt. Erst recht gilt das heute für eine viel kleinere Berufsarmee. Denn auch zwischen Militärausrüstern gibt es nicht nur einen Preis-, sondern auch einen Qualitätswettbewerb und bei den Beschaffungsdienststellen oft jahrzehntelange Erfahrung.
Das bedeutet zwar nicht automatisch, dass ein militärischer Ausrüstungsgegenstand gut ist, aber es bedeutet, dass Militärbestände eine Quelle für Anregungen sind. Manche Ausrüstungsgegenstände sind gut, andere sind in ihrer "zivilen" Version besser. Nicht umsonst kaufen viele Soldaten insbesondere für Einsätze zivile Ausrüstung wie der Wehrbeauftragte 2020 zuletzt wieder bemängelte.
Und schließlich rüsten auch Spezialeinheiten ihre Soldaten aus und geben für die stärkeren Anforderungen dieser Einheiten auch mehr Geld aus. Oftmals stammen Ausrüstungsgegenstände von Spezialeinheiten aus hochwertiger ziviler Fertigung und werden, wenn überhaupt mittels Farbgebung, Zusatzanforderung oder anderer Materialwahl "militarisiert".
Ich habe beispielsweise zum Filtern von Wasser eine leichte Flasche mit integriertem Filter von Katadyn eingesetzt. Dann sah ich, dass es auch eine militärische Version gibt. Der Grund für den Wechsel zu dieser Flasche war nicht deren grüne Farbe, sondern die größere Robustheit der Militärversion.
Schließlich gibt es zum einen noch Militärlieferanten, die aus der Truppe selbst kommen und Produkte herstellen, für die sie die Anforderungen besser kennen, als jeder andere und zum anderen ebenfalls kleine, hochspezialisierte Hersteller mit engem Kontakt zur Truppe. Zentauron, MD Textil und Lindnerhof sind solche Firmen.

3. (Internationale) zeitgenössische Militärliteratur
Nur, weil beispielsweise der "American Sniper" Chris Kyle ein bestimmtes Messer für seine Bedürfnisse eingesetzt hat, muß es noch lange nicht für mich das Nonplusltra sein. So einfach funktionieren meiner Meinung nach Anregungen aus militärischen Quellen nicht. Aber manchmal gibt es Ideen oder auch Herstellernamen, die man nirgendwo anders findet. So hat diese ganze Navy Seal-Literatur, die ich gelesen habe nicht nur dazu geführt, dass ich z.B. die Vorzüge eines Hog Saddle als Waffenauflage kennengelernt habe, sondern mir auch auch die Marke Eberlestock für interessante Rucksäcke bekannt geworden ist.
Auf andere Gegenstände, die ich selbst während meiner Militärzeit nicht kennengelernt habe, kam ich erst durch Berichte von ehemaligen Militärs. So ist der Lehrgang an der US-Ranger School beispielsweise einer der härtesten Infanterie-/Leadership-Lehrgänge überhaupt und erfolgreiche Absolventen und erst Recht Ausbilder wissen, wovon sie sprechen, wenn sie dahingehend Ratschläge geben, sei es in Videoclips (z.B. "10 Things to bring to Ranger School") oder in gedruckten Ratgebern (z.B.  "Get Tabbed. How to Graduate Army Ranger School").

4. (Internationale) zeitgenössische Jagdberichten
Gute zeitgenössische Jagdberichte sind selten. Zwar gibt es Unmengen Afrika-Literatur bis in die 60er Jahre hinein, aber wenig aktuelles in deutscher Sprache. Ähnlich ist es bei Jagdberichten über andere Reiseziele. Die wenigen deutschsprachigen Zeitschriftenartikel arten oft in Jubelberichte aus oder betreffen für mich wenig relevante Reiseziele. Vor allem kenne ich die Leute nicht und das Lesen nur eines Erlebnisses ändert daran nicht viel.
Ich habe mit meinen beiden Büchern über Afrika und Europa versucht, diese Lücke zu füllen. Aber natürlich gibt es auch andere Quellen, nicht nur in deutscher Sprache (wie z.B. Jagdzeit International), sondern auch in den USA (z.B. Magazin des Safari Club International, Field & Stream oder die wenigen aktuellen Bücher von Safari Press International).

5. Jagdreisevermittler, Outfitter, Guides
Für mich kommen Jagdreisevermittler nicht an erster Stelle, denn viele sind inzwischen in erster Linie Verkäufer und haben selbst keine aktuelle und umfassende Jagd- und Ausrüstungserfahrung.
Outfitter und Guides kennen natürlich die Jagdbedingungen aus erster Hand, aber man lernt sie oft erst am Zielort kennen und dann ist es, jedenfalls für die aktuelle Reise, zu spät.
Hinzu kommt, dass ich aus Kostengründen nicht gerne etwas für nur ein Reiseziel kaufe, sondern ich möchte es möglichst häufig einsetzen.
Aber natürlich sind all diese Leute trotzdem wichtige Quellen und ich beobachte sehr genau, was sie einsetzen bzw. frage immer nach Tipps - und sei es, um zu hören, was bei anderen Jägern nicht funktioniert hat.

6. Jagd- und Outdoor-Messen
Messen wie die "Wild und Hund" in Dortmund oder die IWA in Nürnberg (Fachmesse) oder kleinere regionale Jagd- und Outdoor-Messen können wertvolle Anregungen bieten, wenn man sie mit kritischer Distanz besucht und nichts kauft. Der Sinn der Messen ist ein kommerzieller und den Herstellern oder Händlern geht es naturgemäß ausschließlich darum, Neuigkeiten bekannt zu machen und zu verkaufen. Auf den Messeständen findet man deshalb in aller Regel Vertriebsmitarbeiter und nicht etwa Leute aus der Produktentwicklung oder Forschung.
Aber es gibt Ausnahmen: Man trifft gelegentlich nicht nur an kleinen Ständen auch Büchsenmacher, gewerbliche Wiederlader, Messermacher oder andere, mit dem Produkt sehr vertraute Mitarbeiter, die fundiert Auskunft geben können. Oder man kommt mit anderen Besuchern ins Gespräch, die kenntnisreich sind. Zudem kann man in der Regel Produkte in die Hand nehmen, Waffen einmal anschlagen, Rucksäcke aufsetzen und in Schuhe hineinschlüpfen und ein Gefühl für die Materialien und Verarbeitung bekommen und weitere Informationen gewinnen, die man online nicht erhalten kann.
In der Regel findet man nach der Messe in den einschlägigen Zeitschriften oder bei Bloggern und Youtubern auch Messeberichte, die allerdings leider in den seltensten Fällen kritisch sind.
Ohne die hier dargestellte sorgfältige und zeitraubende Überprüfung von Qualität- und Preis würde ich allerdings auf einer Messe nichts kaufen.
Ich berücksichtige wie gesagt bei dem Umgang mit all diesen Quellen folgende Anforderungen:
  • Erstens versuche ich persönliche Vorurteile und Präferenzen zumindest zu erkennen, am besten jedoch auszuschalten. Das bedeutet beispielsweise, dass ich als ex-Soldat natürlich Gefallen an militärischer Ausrüstung finde oder, dass mir bestimmte Gegenstände wegen meiner Vorliebe für die amerikanische Pionierzeit besonders gefallen. Beides ist mir aber bewußt und ich lasse mich davon nicht leiten.
  • Zweitens lasse ich mich wenigstens zunächst nicht von finanziellen Erwägungen beeinflussen. Das klingt recht großspurig, bedeutet aber nicht, dass Geld keine Rolle spielt. Es bedeutet, dass ich wegen Geld zunächst nichts grundsätzlich ausschließe. So habe ich mir einen extrem teuren Daunenschlafsack gekauft, weil ich ihn über mehrere Tage im Gebirge tragen muss. Jahrelang hatte ich nicht einmal über Daune nachgedacht - u.a., weil sie mir zu teuer vorkam. Das war ein Fehler, denn in vielen Fällen hätte ich mir die Kunstfaserschlafsäcke, deren Packmaß oft den ganzen Rucksack ausfüllte schlicht sparen und statt dessen lieber eine Garnitur mehr Wechselwäsche mitnehmen können.


Mein Beitrag über Silky-Sägen zeigt, dass ein tiefgehendes Review nicht auch breit sein kann


Woher bekommt man kaum oder keine Anregungen?
Das einzige, was man im in sozialen Netzwerken und Foren sicher bekommt, sind einzelne Anregungen. Mehr nicht. Einen validen Ratschlag, was man kaufen soll und was nicht, kann man dort meist nicht bekommen. Das hat drei Gründe:
  1. Intransparenz über die Unabhängigkeit von Testern
  2. Mangelhafte Erfahrung von Testern mit einzelnen Produkten
  3. Zu wenig Vergleichswerte für sorgfältige Tests bei einzelnen Testern

1. Intransparenz über die Unabhängigkeit von Testern
Natürlich ist Youtube wie die sozialen Medien und das Internet insgesamt voll von "Tests" von Messern, Rucksäcken, Bergschuhen, Waffen und vielen anderen Ausrüstungsgegenständen. Aber niemand kann beurteilen, warum und wie diese Tests zustande gekommen sind. Hat der Tester Geld bekommen oder wenigstens Gratisprodukte oder gibt es eine andere Form der Beeinflussung? Ich wundere mich beispielsweise darüber, wie viele "Tester" selbst Händler sind und "getestete Produkte verkaufen und wie viele mit dem Testen einen schönen Nebenerwerb haben, bei dem sie die Beziehungen zu Herstellern nicht beeinträchtigen möchten.
Befunde für mangelhafte Unabhängigkeit sind regelrechte (und oft objektiv unerklärliche) Hypes um bestimmte Outdoor-Produkte und die geringe Anzahl negativer Produkttests.

2. Mangelhafte Erfahrung von Testern mit einzelnen Produkten
Selbst wenn ein Tester unvoreingenommen und unabhängig ist, so kann er alleine mit einem Ausrüstungsgegenstand kaum genug Erfahrung sammeln, um ihn wirklich im Hinblick auf intensivste Nutzung beurteilen zu können. Wenn jemand beispielsweise einen Bergschuh beurteilen will, muss er ihn nicht nur zunächst gut einlaufen, sondern er muß ihn auch unter verschiedenen Bedingungen einsetzen. Selbst eine lange Wochenendtour in die Alpen reicht dazu nicht. Denn diese sagt wenig oder nichts darüber aus, wie der Schuh sich zu einer anderen Jahreszeit, bei einer anderen Witterung (z.B. Nässe, Schnee), in anderem Gelände (Geröll, Fels, Eis, nasses Gras etc.) oder bei anderer Nutzung (z.B. bei schwerem Gepäck oder bei längerem Tragen des Schuhs) verhält. Es wären also, um bei dem Beispiel zu bleiben, eine Vielzahl von Touren in verschiedene Gebirge zu verschiedenen Jahreszeiten notwendig, um zu einer validen Einschätzung zu kommen.

3. Zu wenig Vergleichswerte für sorgfältige Tests bei einzelnen Testern
Und selbst, wenn ein Tester einen Ausrüstungsgegenstand so intensiv testet, wie es notwendig ist, um einen umfassenden Eindruck zu bekommen, so kann er kaum gleichzeitig oder mit kurzem Abstand vergleichbare Produkte in ähnlicher Weise testen.
Wenn jemand den Bergschuh aus dem Beispiel ein ganzes Jahr zu testet und im Folgejahr einen weiteren Schuh und dann noch einen, so hat er in einem extrem langen Zeitraum "nur" drei von unzähligen Produkten getestet, die er miteinander vergleichen kann. Diese geringe Anzahl ist im Hinblick auf die Vielzahl auch guter Anbieter und die kurzen "Lebenszyklen" der Produkte wenig aussagekräftig. Schon die Auswahl von drei Paar Schuhen ist ja mehr oder weniger willkürlich (Warum waren es diese Schuhe und nicht andere?).
Ein anderes Beispiel: Mein eigener Beitrag über Silky-Sägen zeigt die Problematik, dass man bei jahrelanger Verwendung und Erfahrung mit einem Produkt bzw. den Produkten einer Firma eben kaum Gelegenheit hat, andere Produkte in gleicher Weise kennenzulernen. Ich kann also zwar guten Gewissens über diese Sägen Auskunft geben, ob es aber andere gibt, die meine Bedürfnisse besser befriedigen, kann ich nicht sicher sagen. Kaum ein Reviewer erklärt aber ehrlich eben diese Beschränktheit seines Reviews.


Egal was es ist: Katalog oder Internet geben wesentliche Informationen nicht


Wie sieht die tatsächliche Auswahl aus?
Unter Berücksichtigung der ermittelten Anforderungen und aufgrud der unterschiedlichen Anregungen beschaffe ich mir dann zunächst einige Alternativprodukte, aus denen ich eine Auswahl treffen kann
Schon mit dem Einholen von Anregungen habe ich in der Regel Hinweise zur Nützlichkeit des jeweiligen Ausrüstungsgegenstands bekommen. Eine Bestellung zur Ansicht vervollständigt diese Hinweise. An dieser Stelle kann ich kein Produkt regelrecht ausprobieren. Aber ich kann beispielsweise fünf Rucksäcke kommen lassen und ausprobieren, welcher mir am besten paßt, wie sie im Vergleich verarbeitet sind und, ob sich in ihnen eine bestimmte Menge an Gepäck gut verstauen läßt. Ich kann sie jeweils wiegen und nachsehen, wie sie sich reinigen lassen sowie weitere Detailinformationen ermitteln.
Wenn ich mich dann auf einen Gegenstand festgelegt habe (und ich den Rest zurückgesendet habe), kommt es bei wichtiger Ausrüstung zur "Felderprobung", d.h., ich muß den Gegenstand so nah wie möglich an der echten Anforderung ausprobieren. Da sich dann immer noch erweisen kann, dass ich eine schlechte Wahl getroffen habe, muß ich einkalkulieren, den ganzen Prozeß noch einmal ablaufen zu lassen.
Diese Felderprobung sollte so realistisch wie möglich sein, denn es nutzt z.B. nichts, wenn eine atmungsaktive Regenjacke zwar wenige Minuten unter der Dusche wasserdicht ist, aber bei einem einstündigen Marsch mit ähnlichen Temperaturbedingungen wie im Reiseland eben nicht atumungsaktiv.

Natürlich ist dieser beschriebene Prozeß aufwändig und dennoch wird man gelegentlich "Lehrgeld" zahlen müssen, weil man trotz allem etwas gekauft hat, was dann im "echten Einsatz" mit vermeidbaren Mängeln behaftet ist. Man hat aber bestmöglich dafür gesorgt, dass man seine Reise gut ausgestattet antritt - genau so, wie man sich hoffentlich körperlich vorbereitet hat. Dass dann am Ende nicht alle Unwägbarkeiten ausgeschaltet worden sind und auch etwas Glück eine Rolle bei einer erfolgreichen Jagdreise spielt, liegt in der Natur der Sache und macht einen Teil ihres Reizes aus.