Randall Made Knives

Die Legende besagt, dass Walter Doane Randall (meist Bo Randal oder WD Randall genannt) 1937 einen Mann dabei beobachtete, wie er mit einem Messer alte Farbe von einem Boot abkratzte. Das Messer war ein handgeschmiedetes Modell von Bill Scagel. Die Stabilität dieses missbräuchlich verwendeten Messers war der Auslöser dafür, dass Randall selbst dazu überging handgefertigte Messer herzustellen.
Bo Randall besuchte in den Folgejahren wieder und wieder den Messermacher Scagel und lernte von ihm und durch eigene Erfahrungen das Messermachen. Er verkaufte zunächst Jagd- und Anglermesser als Einzelanfertigungen an Freunde und Bekannte und nutzte dann 1938 das Geschäft seines Schwiegervaters in Orlando (Florida).

Der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges veränderte sein Sortiment insofern, als dass nun auch Soldaten zu seinen Kunden werden, für die er das legendäre Kampfmesser "All Purpose Fighting Knife" entwickelte - die berühmte Nummer 1 seines Kataloges (der erste erschien 1940). Bis zum Kriegsende stellte seine Firma rund 4.000 dieser Messer her (über 1.000 davon kamen von der Northampton Cutlery Company in Springfield von als Subunternehmer).


"All Purpose Fighting Knife" und "Fisherman Hunter"


Auch das Modell 2 "Fighting Stiletto" und das Modell Nummer 3 "Hunter" sahen Kriegseinsätze.
Ende der 40er Jahre wurde das Sortiment um mehrere "zivile" Modelle für Fischfang, Jagd und Outdoor allgemein erweitert (beispielsweise das "Fisherman") und aufgrund der hervorragenden Qualität und geschickter Public Relations stieg die Nachfrage in den 50er Jahren so stark an, dass die Produktion nicht mehr mit den Bestellungen in Einklang zu bringen war.
Die Wartezeiten auf echte Randall-Messer begannen.




Zu den werbewirksamen Maßnahmen Randalls zählten Designs für Bowie-Messer (in der Folge des 50er Jahre Westerns "The Iron Mistress", in dem Alan Ladd den legendären Jim Bowie spielt) oder das Design und die Herstellung des Modell 17 "Astro", das die US-Astronauten auf den ersten bemannten Raumflug begleitete.
Aber auch die legendär langen Wartezeiten, für die es bis heute nur Ausnahmen für aktive Soldaten im Einsatz gibt, trugen das ihre dazu bei, die nach wie vor handgeschmiedeten Messer äußerst begehrenswert zu machen.
Im Moment (2018) liegt die Wartezeit bei sechs Jahren.


Fisherman Hunter in Lederscheide Modell B


Einen weiteren Schub erlebte das Geschäft durch den Vietnam-Krieg, denn erneut rüsteten sich US-Soldaten mit Randall-Messern aus. Aus dieser Phase stammt z.B. das Modell 18 "Survival".
Während des Vietnam-Krieges importierte Randall wegen der großen Nachfrage der Soldaten auch Klingen aus Solingen. Diese sind auch entsprechend gestempelt. In späteren Jahren wurden zwar noch alte Klingen verarbeitet (Modell "Solingen Fighter"), obwohl seit 1975 keine mehr importiert worden waren.

Designs von Randall gehören zu den meist kopierten Messerformen überhaupt und werden bis heute, zum Teil leicht abgewandelt oder mit anderen Materialien, auch von renommierten Herstellern übernommen.
In den 70er Jahren wuchs Randalls Sohn Gary in das Geschäft seines 1909 geborenen Vaters hinein, der schließlich 1989 verstarb.
Heute sind rund 20 Mitarbeiter damit beschäftigt, pro Woche rund 150 Messer herzustellen und zu versenden. Insgesamt wird an einem Messer rund acht Stunden gearbeitet.

Ich weiß nicht mehr genau, wann ich den Wunsch hatte, ein Randall-Messer zu besitzen. In meinen ersten eigenen Einsatz nahm ich ein vergleichsweise preiswertes Klappmesser von Herbertz mit und auf die Jagd schleppte ich zu Beginn ein ebenso preiswertes Messer von Böker Arbolito. Erst mit über 40 leistete ich mir ein echtes Randall und zwar die legendäre Nummer 1. So schön sie war, so wenig konnte ich zu diesem Zeitpunkt mit einem großen Kampfmesser anfangen (später allerdings nutzte ich es als Abfangmesser).


All Purpose Fighting Knive mit der legendären Lederscheide Modell A mit Wetzstein


Deshalb schenkte ich mir zu einem folgenden Geburtstag für die Jagd das "Fisherman Hunter", das ich bis zum heutigen Tage nicht ein einziges Mal geschliffen habe.
Beide Randall Messer kaufte ich bei einem amerikanischen Messerhändler, der Randall-Messer vorrätig hat. Natürlich läßt er sich die jahrelange Wartezeit bezahlen.

Um diese Zeit orderte ich auch mein erstes Messer direkt von Randall. Das war im Januar 2014. Ich zahlte wie gewünscht 50 Dollar an. Vor ein paar Tagen kam jetzt ein Brief von Randall Made Knives aus Orlando mit einer Rechnung über noch einmal 392 US-Dollar.
Ohne Porto kostet dieses Messer 370 Dollar, kauft man es hingegen in dem Geschäft ohne Wartezeit, sind es stolze 590 Dollar. Eine größere Wertsteigerung ohne jeden Aufwand erreicht man mit wenig anderen "Anlageformen".

Aber wie auf der Internetseite von Randall Knives steht, werden zwar viele Messer gesammelt, aber eigentlich sind sie zum Gebrauch gemacht und zu schade dazu, als "Shelf Queens" zu enden.
Ich habe meine Messer in Carbonstahl gekauft, aber es gibt sie auch in Stainless Steel, wobei nicht angegeben wird, um welche Stähle es sich genau handelt.

Mit wenigen Ausnahmen sind die Randall-Messer keine Full Tang-Konstruktionen und das verhindert ihren Extremeinsatz als Brechstange oder beim Batoning. Es mag sein, dass dies im Alltag eines Normalbürgers selten vorkommt, es ist für einen Soldaten im Einsatz oder einen Jäger auf einer Wildnisjagd aber durchaus denkbar. Das nimmt den Messern aber nichts von ihrem Nutzwert für die Jagd und das Fischen und ihrer zeitlosen Schönheit.