Hungern, Fasten und die Lehren daraus

Fasten ist keine Modeerscheinung, sondern aus nahezu allen alten Religionen bekannt und hat zweifellos positive gesundheitliche Auswirkungen. Grund genug, sich damit näher zu beschäftigen.
Aber ich will mich nicht gesundheitsorientierter darstellen, als ich bin: Als ich am 31. Dezember 2021 feststellte, dass ich in den letzten Wochen über zwei Kilo zugenommen hatte und einige sehr langwierige Verletzungen immer noch nicht verschwunden waren, war zumindest weniger Essen ein Thema. Und während ich die Youtube-Survival-Serie "7 vs. Wild"* angesehen hatte, wo die Teilnehmer über sieben Tage hinweg außer Blaubeeren, Wasser und - im seltenen Erfolgsfall ein bisschen Fisch - keinen Zugang zu Nahrung hatten, fragte ich mich außerdem, wie ich diese Zeit durchgehalten hätte. Ehrlich gesagt wollte ich es mir schlicht selbst beweisen. Denn mit einem Schlafsack, einer Plane, einem Messer und einem Feuerstahl wäre der Rest dieser Herausforderungen im Norden Schwedens für mich zu meistern gewesen. Das wusste ich aus Erfahrung.

Interessant fand ich einen Beitrag eines anderen, sehr unkonventionellen Youtubers namens Richans*. Er hatte auf einer Tour erklärt, er mache nicht Mal Feuer. Denn er sei nicht nur Veganer, sondern auch im Fasten geübt und esse einfach nichts. Er brauche auch keine Ablenkung, sondern meditiere eben.

Bei einigen Lehrgängen und Durchschlageübungen in der Bundeswehr, war genau das das Problem gewesen: Man war in der Gruppe oder alleine unterwegs und musste nachts marschieren und sich tagsüber verborgen halten. Natürlich so gut wie ohne Verpflegung. Was also sollte man essen und tagsüber tun? Und: Sollte man ein trotz aller Tricks, den Rauch zu vermindern und zu zerstreuen, möglicherweise ein Feuer machen? Mit einer Gewöhnung an die Methode von Richans* waren die Antworten einfach: Man aß nichts, tat nichts (außer abwechselnd wachen) und machte kein Feuer (es sei denn, man war völlig durchnässt oder bei entsprechender Kälte). Das musste man nur eben durchhalten können ...


Die Nahrung von 7 Tagen

Warum fasten
Meine persönlichen Gründe habe ich erklärt (in erster Linie Willensschulung und Interesse an der Erfahrung).
Zweifellos hat Fasten auch positive gesundheitliche Wirkungen. Einen wirklich guten Überblick bot mir das Fastentagebuch eines anderen Youtubers, Kai Sackmann, einer Art Urgestein von Outdoor- und Survivalvideos auf Youtube. Ich will die gesundheitlichen Ausführungen hier nicht umfangreich wiedergeben und bin auch kein Arzt, aber fasse folgendes aus allem, was ich gehört, gelesen und selbst erfahren habe, zusammen:
  • Fasten fördert die Zellreinigung und verbessert die Immunabwehr (der Körper ist nicht oder kaum mit Verdauung beschäftigt)
  • Nach mehr als einem Tag Fasten greift der Körper auf Fettreserven zurück.
  • Fasten scheint die Tendenz zu Entzündungsreaktionen zu senken (deshalb empfahl es mir der Orthopäde).
 
Unterschied zu Hungern
Fasten und Hungern haben absolut nichts gemeinsam. Der entscheidende Unterschied zwischen Fasten und Hungern ist, dass man freiwillig und kontrolliert fastet. Über Hungern kann man hingegen nicht bestimmen und meistens ist auch unklar, ob und wann man wieder Nahrungsmittel bekommt. Die psychologische Wirkung ist deshalb eine völlig andere und Selbstaufgabe, Verzweiflung und Aggressivität sind Begleiterscheinungen des Hungerns. Ein in Russland gefangener Offizier, Oberst Arthur Boje, von der 44. Infanteriedivision, die in Stalingrad in Gefangenschaft geriet, berichtete über seine lange Zeit im Lager: "Die Verteilung der stinkenden Suppe, die Zählung und die Ausgabe der kärglichen Brotrationen waren die drei Stationen, um die sich das Leben drehte. Der Rest war Hunger; das hieß für viele stumpfes Dahinbrüten. Warten auf den Tod."** Bis 1947 starb rund eine Million gefangener deutscher Soldaten in diesen Lagern - die meisten schlicht an den Folgen von Unterernährung.
Hungernde töten für Essen oder essen Unverdauliches (z.B. Leder, Sägemehl, Gras, aber auch Ratten, Schlangen und letztlich in extremsten Situationen sogar Menschenfleisch***), um diese Ohnmacht zu überwinden. Menschen, die gehungert haben, entwicklen teilweise nie mehr ein normales Verhältnis zum Essen, sondern neigen zum Überfluss. Die Wirtschaftswunderjahre nach dem Zweiten Weltkrieg, die Werbung und das Ernährungs- und Genussmittelverhalten der Kriegsgeneration stehen beispielhaft dafür. 


Fastentagebuch
Bevor ich die einzelnen Tage behandele folgende Vorbemerkungen: 1. Die 87 kg hatte ich innerhalb einer Woche bis zum 6.1. durch ein gutes Sportprogramm sowie weniger Essen und Alkohol- und Süßigkeitenverzicht bereits auf 85,6 kg verringert. 2. Ich habe nicht so etwas Unappetitliches getan, wie Abführmittel zu nehmen. Warum auch. Diese Theorie aus den 30er Jahren von angeblichen Ablagerungen im Darm hat sich als Unfug erwiesen und leer wird er ohne Essen von ganz alleine.

Tag 1 (8.1.): Sogenannter Entlastungstag, zwei Äpfel, eine Birne, eine Banane und drei Liter Wasser. 1 h 22 Radtour, Eigengewichtstraining. Bemerke nichts Besonderes.
 
Tag 2 (9.1.): Etwas Traubensaft und vier Liter Wasser. Gepäckmarsch 2 h 42. Denke ab und zu an Essen. Abends leichter Kopfschmerz. Fühle mich etwas schlapp beim Marschieren.

Tag 3 (10.1.): Gewicht 83,4 kg. Vier Liter Wasser, etwas Gemüsesaft. 48 Minuten Fahrradergometer. Leichtes Kopfweh.

Tag 4 (11.1.): Gewicht 82,9 kg. Drei Liter Wasser, etwas Saft. 1 h 21 Radtour. Radfahren kommt mir etwas anstrengender vor als sonst. Zwei Mal leichte Kreislaufbeschwerden beim zu schnellen Aufstehen. Mir fehlt etwas "Spannkraft" und "Biss" - allgemein und beim Sport. Habe keinen Hunger, wohl aber Appetit auf ein gutes Essen.

Tag 5 (12.1.): Gewicht 82 kg. Drei Liter Wasser, etwas Saft. Langer Bürotag und danach 1h 06 Fahrradergometer. Leichte, ziehende Schmerzen in den Oberschenkeln in der Nacht. Scheinbar durch Übersäuerung des Körpers. Mir fehlt "Spannkraft".

Tag 6 (13.1): Gewicht 81 kg. Vier Liter Wasser, etwas Saft (nach dem Sport). Früh aufgestanden. Dann 3 h 08 Gepäckmarsch, dann Eigengewichtstraining. Fühle mich immer noch etwas weniger "bissig" auf dem Marsch, aber nicht mehr schlapp. Habe immer noch keinen Hunger, aber Appetit auf leckere Speisen. Beim Einkaufen kommt es mir so vor, als sei es gar nicht mein Einkauf, den ich für nach der Fastenzeit tätige. Gewicht bei 81 kg.

Tag 7 (14.1.): Gewicht 79,9 kg  Drei Liter Wasser, ein Apfel, zwei Birnen, zwei Bananen. 1 h 23 Radtour. Abends Stammtisch. Sitze neben gutem Essen und kaltem Bier. Es macht mir nicht viel aus, aber ich kann es kaum erwarten, bis vier Wochen später wieder Stammtisch ist und ich alles nachholen kann.

Am ersten Tag ohne Fasten (Gewicht morgens noch einmal gesunken auf 79,5 kg und damit in 16 Tagen Verlust von 7,1 kg) arbeite ich mich erst mit etwas Toast und Honig, später mit Huhn wieder an eine halbwegs normale Ernährung heran. Ich habe eine Art kritischen Moment, als ich morgens den Toast esse und kurz denke, ich sollte besser weiter nichts essen, es klappe ja gerade so gut und jetzt "stopfe ich mich voll". Ich gehe darüber hinweg.
Abends kaufe ich ein und verbringe sehr viel Zeit beim Käse, beim Fleisch und der Wurst sowie bei den herrlichen Weinen und Spirituosen. Ich kaufe jedoch nichts davon. Es kommt mir so vor, als habe das Fasten Essen noch wichtiger gemacht als es zuvor war. Ich gehe auch darüber hinweg.
Alkohol, Zucker/Süßigkeiten und Kaffee/Tee lasse ich weitere zwei Wochen weg. Während der sieben Tage habe ich jeden Tag zwischen 2.000 und 2.500 Kalorien verbrannt (laut Sportapp, die ich hier beschrieben habe).


Persönliche Lehren
Welche Lehren ziehe ich persönlich aus meiner vergleichsweise kurzen Fastenzeit?
  1. Ich bleibe trotz einiger Tage totalen Nahrungsverzichts weitgehend leistungsfähig. Essen ist in einer akuten Notsituation eine ganze Weile nicht meine Priorität (das habe ich in einem hier erschienenen Beitrag über Überlebenstraining bereits berücksichtigt, wenn auch damals nicht aus eigener Erfahrung).
  2. Meine Willenskraft ist nach wie vor in Ordnung und es tut gut, sie weiter ab und zu zu schulen.
  3. Ich werde das vergleichsweise harte Fasten nicht fortsetzen (vielleicht nächsten Januar?) und es ist für die meisten gesundheitlichen Ziele auch nicht nötig. Intervallfasten (z.B. täglich während acht Stunden Essen und während 16 Fasten) ist mir zu alltagsbeherrschend. Aber ich denke, ich werde alle 14 Tage 36 Stunden fasten, also einen Tag und die vorangegangene Nacht, und trotzdem lange Ausdauersport betreiben. Das wird mir gesundheitlich und vom Gewicht her gut tun.

Das erste richtige Essen

Grundsätzliche Lehren
  1. Die These, dass man sich rechtzeitig von Genussmitteln entwöhnen muss, bevor man auf Reisen oder in militärische Einsaätze bzw. auf Lehrgänge geht, wo sie nicht zur Verfügung stehen, kann ich nicht unterstützen. Dass ich zum Beispiel immer noch keinen Kaffee trinke und keinen Zucker und keinen Alkohol zu mir nehme, bedeutet nichts für meine körperliche Belastbarkeit. Ich spüre keine körperliche Abhängigkeit und zwar denke ich ab und zu daran, aber meine Gedanken kreisen um nichts davon.
  2. Die These, dass man vor einem Outing auf der Auslandsjagd oder einem militärischen Auftrag, auch, wenn sie nur "harmlos" erscheinen, mehr als genug essen und trinken sollte, weil einem etwas unvorhergesehenes passieren könnte (eine lange, harte Nachsuche oder ein Hinterhalt), hingegen unterstütze ich rückhaltlos. Denn schon nach verhältnismäßig kurzer Zeit, konnte ich zwar körperlich noch alles machen, aber mir fehlte einiges an Aggressivität, die gerade für unvorhergesehene Situationen und das an die körperlichen Grenzen und darüber hinaus Gehen so wichtig ist (jedenfalls bei mir).
  3. Die These, dass man Körperfett haben muss, wenn man sich langen und harten körperlichen Belastungen stellen muss - erst recht in der Kälte - hat sich ebenfalls erneut bestätigt. Ich wußte dies nicht nur von harten Lehrgängen oder Bergjagden selbst und man kann es auch sowohl von Veteranen beispielsweise des Falklandkrieges oder der amerikanischen Ranger School als Tipp hören, sondern es ist auch selbsterklärend, wenn man sich vor Augen hält, das bei einem Kaloriendefizit bereits nach einem Tag auf Fettreserven zurückgegriffen wird. Schlecht, wenn man kaum Körperfett hat.
  4. Eigenes Fasten - insbesondere mit weitergehender körperlicher Belastung - stellt eine wichtige individuelle Erfahrung dar, die man in verschiedenem Alter ab und zu machen sollte, um zu wissen, wie der eigene Körper reagiert.
 
Anmerkungen
*Man kann von einigen Survivalexperten auf Youtube etwas lernen, von den allermeisten jedoch wenig oder nichts. Es gibt genug Spinner auf Youtube, die mit falschen Biographien und angelesenen Kenntnissen versuchen, ein paar Euro zu verdienen.
Das bedeutet nicht, dass ich jeweils alles gut und richtig finde, sondern ich suche mir sozusagen "die Nuggets" raus. Und ehrlich gesagt mag ich bei manchen schlicht die Art nicht oder das Ausmaß an Kommerzialisierung (zu Produkttests habe ich hier etwas geschrieben).
**Zitiert nach Paul Carell und Günter Böddeker: Die Gefangenen. Leben und Überleben deutscher Soldaten hinter Stacheldraht. 1980.
***Beispielsweise stürzte 1972 ein Flugzeug in den Anden ab. Einige der Passagiere überlebten monatelang bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad unter anderem, weil sie das Fleisch der beim Absturz getöteten Menschen aßen. Der Verzehr von Menschenfleisch ist auch als Massenphänomen beobachtet worden wie z.B. 1932/33 aufgrund der Zwangsmassnahmen Stalins in der Ukraine bei der dortigen Bevölkerung bei der rund sieben Millionen Ukrainer starben - zumeist an Hunger.

Poncho und Liner gestern und heute

Der Poncho ist - als wollenes Stück Stoff oder als Fell von meist quadratischer Form mit einer Öffnung zum Durchstecken des Kopfes - ursprünglich ein wärmendes, mitunter auch festliches Kleidungsstück und lässt sich bis in die Antike und das präkolumbianische Südamerika (insbesondere Peru und Ekuador) zurückverfolgen.* Die vielen Verwendungsmöglichkeiten haben ihn im 19. Jahrhundert zum Militär und schließlich auch zum Jagd- und Outdooreinsatz gebracht.

Mindestens so alt sind Versuche, diese Ponchos durch die Auswahl des Materials (z.B. bestimmte Felle) oder Behandlung des Stoffes (z.B. Naturkautschuk oder Öle) wasserabweisend oder wasserdicht zu machen.

Wirklichem Erfolg waren diese Versuche aber erst im 19. Jahrhundert beschieden: Ab den 1830er Jahren begannen Hersteller in den USA und Großbritannien (entsprechende Patente für die Vulkanisierung, also die Herstellung des Kunstoffes Gummi aus Naturkautschuk, werden kurz nacheinander Thomas Hancock und Charles Goodyear erteilt) mit der kommerziellen Produktion von Regenmänteln aus Gummi. Hinzu kamen ebensolche Planen und Ponchos.


Ponchos von USGI und Helikontex im Größenvergleich


Einführung in die US-Streitkräfte
Aufgrund der vielseitigen Möglichkeiten, die ein Poncho als Regen- und Kälteschutz, behelfsmässiger Schlafsack, Regen- und Sonnendach, Verwundetentrage usw. bot, übernahmen nordamerikanische Soldaten dieses Ausrüstungsstück in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
 
Der kulturelle Austausch mit dem angrenzenden Mexiko, mexikanische und andere mittel- und südamerikanische Minderheiten in den USA sowie der Unabhängigkeitskrieg von Texas gegen Mexiko 1835/36 dürften wesentlich dazu beigetragen haben, anders als europäische Armeen (z.B. im Krimkrieg) Ponchos statt Mäntel auszuwählen.
 
In Winnetou III beschreibt Karl May den mexikanischen Poncho wie folgt: "Sitzt der Mexikaner zu Pferde, so hängt über dem Sattelknopf noch der Poncho, eine Decke, welche den ganzen Körper verhüllen kann und in der Mitte einen Schlitz hat, durch den man den Kopf steckt, so daß die eine Hälfte des Poncho über den Rücken und die andere über die Brust herabfällt." Spätestens damit war der Poncho im Erscheinungsjahr der Winnetou-Trilogie 1893** auch in Deutschland angekommen. 

Die systematische und umfassende Einführung des Ponchos in die Armeen des Sezessioskrieges brachte seine Anpassung an die Bedürfnisse dieser Kriegsschauplätze mit sich. Wenn diese Ponchos gross genug geschnitten waren, konnten sie anders als Regenmäntel auch das Gepäck schützen. Außer Ponchos fanden auch gummierte Planen (ohne Schlitz für den Kopf) umfassend Verwendung. 
Den Verlust an Wärmeleisung bei diesen Ponchos kompensierte man nötigenfalls mit einer seperaten Decke und hatte damit bereits in den 1860er Jahren das bis heute genutzte Prinzip von wasserabweisendem oder wasserdichten Poncho mit Poncholiner.
 

Größenvergleich der verpackten Ponchos (USGI oben)


Der Poncho aus gummiertem Material oder alternativ Oilskin (also dicht gewebter und gewachster Baumwolle) verschwand wegen seines geringen Packmasses und ebenso geringen Gewichts nicht mehr vollständig aus den Reihen der US-Armee und wurde u.a. in den Indianerkriegen und im Spanisch-Amerikanischen Krieg, im Ersten und Zweiten Weltkrieg und in Vietnam eingesetzt - schließlich aus den in den 30er Jahren erfundenen und ab den 60ern für Bekleidung zur Verfügung stehenden Kunstfasern wie Nylon.
 
 
Poncholiner
Der Poncholiner (im Slang der US-Soldaten auch "Woobie" genannt) ist ein Ersatz aus Nylon (mit Polyesterfüllung) für die schwerere Wolldecke und ergänzt den Regenponcho um eine wärmende Schicht, wenn man ihn als Decke oder Schlafunterlage bzw. als Umhang nutzt (der Woobie hat keinen Schlitz für den Kopf wie der Poncho). Er wurde Anfang der 60er Jahre bei der US-Armee eingeführt und bleibt bis heute trotz verschiedenster Schlafsacksysteme beliebt.
 
Auch, wenn der Woobie auch mit Poncho nicht für den Winter geeignet ist, so stellt er erstens eine zusätzliche Isolierung dar (etwa unter dem Schlafsack), zweitens ist er so leicht, dass er nahezu immer mitgeführt werden kann und man kann sich drittens (anders als in einen Schlafsack) in ihn schnell ein und im Notfall auch wieder auswickeln. Wenn man den Liner auf den Poncho legt und die Schnüre, die der Liner hat, in die genau gegenüber liegenden Ösen des Ponchos fädelt, hat man einen (nicht atmungsaktiven) Behelfsschlafsack, der zwar unten offen ist und, der auch nicht sehr warm ist, der aber, wenn man mit Bekleidung und Stiefeln hineinschlüpft den Unterschied zwischen "erträglich" und "kalt" machen kann. Der Liner ersetzt aber keinen vollwertigen Schlafsack, wie der US-Militärspruch schon richtig erklärt: "Carry light, freeze at night."
 
Der Liner kann darüber hinaus für viele weitere Zwecke verwendet werden: beispielsweise als Abtrennung in großen Zelten oder Unterkunftscontainern (für etwas Privatsphäre), zum darauf sitzen (z.B. draußen und in Fahrzeugen), als Arbeitsunterlage bei vergleichsweise filigranen Arbeiten (z.B. Waffe zerlegen und zusammensetzen).
 
Ein Wort noch zur Wolldecke: Was habe ich nicht Armeewolldecken der Bundeswehr oder der Dänen gekauft, gewaschen und für absolut unverzichtbar gehalten. Natürlich halten sie warm und sind robust - und gleichzeitig schwer und voluminös. Gute zivile Decken können das gleiche und inzwischen zu keinem wesentlich höheren Preis.
 

USGI-Poncho über einem 60 l-Rucksack


Der Bundeswehr-Poncho im Kalten Krieg
Angesichts der Gefahren durch ABC-Waffen erhielt der Poncho eine weitere Bedeutung und wurde im Kalten Krieg neben der ABC-Schutzmaske und Handschuhen Teil der ABC-Schutzausrüstung. Die deutsche Bundeswehr hatte mit ihrem damaligen Poncho, der heute (2022) lange nicht mehr genutzt oder hergestellt wird, einen Ausrüstungsgegenstand geschaffen, der wegen seiner Größe, Robustheit und Wasserundurchlästigkeit immer noch von Bushcraftern geschätzt wird.
 
Das Gerücht, dass der Bundeswehr-Poncho krebserregende Stoffe enthalten kann, ist insofern richtig, als dass dies offenbar für rund ein Drittel der Ponchos galt, die 1989 deswegen ausgesondert wurden (wie Der Spiegel am 13.08.1989 berichtet).
 
Sie dürften entsorgt und nicht über die Verwertungsgesellschaft des Bundes in den Handel gelangt sein, so dass nichts gegen eine Verwendung des alten Bundeswehr-Ponchos spricht, außer, dass das Material altert und spröde wird und er relativ schwer ist.

Es ist auch kein Zufall, dass die Bundeswehr den Poncho und die Zeltbahn an die Soldaten ausgab, denn zwischen beiden gibt es zwar Überschneidungen, aber auch Unterschiede. Die Zeltbahn aus gewachstem Baumwollstoff war - wie zuvor auch in der Wehrmacht und bei den Österreichern und Schweizern ("Blache") - das primäre Mittel, um daraus ein Zelt oder einen zeltähnlichen Unterschlupf zu bauen. Im Ostblock war dies ähnlich ("Plash palatka"). Die Zeltbahn ist nicht anfällig für Schäden durch Funkenflug oder spitze Äste und kann zusammen mit anderen Zeltbahnen leichter zu einem Zweimannzelt oder mit mehreren zu einem Gruppenzelt zusammengebaut werden.
 

Meine Verwendung von Ponchos 
Ich habe an anderer Stelle (hier beschrieben) umfangreich über meine Verwendung von Poncho und Regenjacke berichtet. Insofern will ich hier nur weitere Verwendungen des Ponchos aufzeigen und zwei neue Modelle abhandeln.
 
Warum also führe ich den Ponche und Poncholiner sogar zusätzlich zur Regenjacke und -hose mit:
  • Beides ist leicht, füllt jedoch den Rucksack (zusammen mit einer ebenfalls sehr leichten Daunenjacke) so aus, dass er eine gute Schiessauflage darstellt.
  • Ich verfüge damit über einen Notschlafsack bzw. Unterkunft für den Fall von Verletzungen (Auskühlen) oder ungeplanten Aufenthalten (Nebel, Unwetter etc.).
  • In starkem Wind oder auf einem Boot (etwa in Schweden, in Grönland oder im Baltikum) bieten sie zusätzlichen Schutz.
  • Ich kann einen blind damit zusätzlich abtarnen.
  • In der Jagdhütte können sie meinen Schlafsack ersetzen oder ergänzen und ein paar Grad mehr Wärme erzeugen.
Auf Märschen nehme ich immer den Poncho statt der Regenbekleidung, da er auch mein Gepäck schützt, die Beine mehr Bewegungsfreiheit haben als mit einer Überhose und er leichter an- und ausgezogen werden kann.
 
Dass Poncho und Liner keinen Funkenflug vertragen, hindert mich daran, sie in einem Camp am Feuer zu benutzen. Aber in strömendem Regen sitze ich auch nicht am Feuer, sondern es bietet sich eher so etwas wie ein Überdach aus gewachster Baumwolle und Wollkleidung an.
 
Ich benutze im Wesentlichen zwei Marken: Helikontex und USGI:
 
1. Helikontex
Poncho und Poncholiner (Swagman Roll) von Helikontex aus Polen. Der Swagman Roll kostet bei Amazon rund 115 Euro und der Regenponcho rund 30 Euro. Es gibt beides in verschiedenen Tarnmustern und unifarben.
Während der wasserabweisende Swagman Roll wegen seiner Kapuze vielseitiger ist als ein Liner und durchaus bequem als Zusatzbekleidungsstück an kalten Abenden getragen werden kann, lässt der Poncho vergleichsweise schnell Wasser durch und klebt so am Körper, dass er darunter liegende Kleidung langsam durchnässt.

2. USGI
USGI ist eine US-Firma im Besitz von kriegsverehrten ex-Soldatenen ("disabled veteran owned company"). Man darf also annehmen, dass der Hersteller die Anforderungen an dieses Ausrüstungsstück aus eigenem Erleben kennt.
Der Regenponcho kostet bei Amazon rund 50 Euro und der Poncholiner mit Kompressionssack rund 70 Euro. Das Set ist damit um die 30 Euro billiger. Auch hier gibt es verschiedene Farben.
Am auffälligsten ist die unglaublich kurze Trocknungszeit des Liners nach völliger Durchnässung.

Der USGU-Poncho hält dem Regen etwas länger stand und ist etwas größer. Der dazugehörige Liner ist ebenfalls etwas größer und verfügt an den Ecken über Schnüre zur Befestigung. Außerdem weisst er Knöpfe und entsprechende Öffnungen entlang der Aussenkanten auf, so dass man ihn z.B. zum Durchstecken der Arme anpassen kann. Die Knöpfe und Öffnungen hat der Helikontex-Poncho nicht. Hätte der USGI-Liner auch noch die Möglichkeit, den Kopf hindurchzustecken, würde ich ihn klar bevorzugen - zumal er auch noch billiger ist. So ist es eine Frage des jeweiligen Einsatzzweckes bzw. der persönlichen Präferenz. Ich habe einfach beide gekauft 


Weiterführende Informationen:

 Verweise:
*Ingrid Löschen: Reclams Mode- &  Kostümlexikon. Stuttgart, dritte Auflage, 1994.
**Die einzelnen Erzählungen, die zu der Trilogie verarbeitet worden sind, sind älter.

"Without hunting dollars conservation will only be a term used by animal rightists to enrich themselves."

Peter Flack (born 1948) is a legendary African hunter and has published 13 books, 7 videos and several hundert articles on hunting. His book "Heart of an African Hunter" (1999) is among the 10 books I personally would save in case my house would burn down (short review here). Having met other international hunters in the various camps all over the world I know that this is not only my opinion.

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