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Jagdmesser: Grohmann Knife "Survival"

Irgendwann habe ich bei einem Online-Händler Messer mit feststehender Klinge von Grohmann Knives aus Kanada gesehen. Die Form erschien mir ungewöhnlich - sie erinnert mich an Küchenmesser. Da ich schon lange ein gutes Grohmann-Klappmesser nutzte, nahm ich an, dass auch die Qualität dieses Klassikers ausgezeichnet war. Aber ich hatte keinen rechten Kaufanlass und genug gute und langjährig erprobte Jagdmesser aller Art. Das änderte sich erst, als ich beschloss zur Jagd nach British Columbia zu fahren.
Ich bestellte mir also ein Grohmann-Messer und zwar direkt bei Grohmann in Kanada. Dort hat man naturgemäß mehr Spielraum, was die gewünschten Eigenschaften angeht. Es sollte wegen der nassen und kalten Umgebung diesmal eine Edelstahl-Klinge und ein Micarta-Griff werden und ich wollte das Modell, das am robustesten war: das "Survival".

Die Klinge dieses Messers ist 14 cm lang. Das Messer wiegt rund 200 Gramm und steckte in einer gut gearbeiteten Lederscheide. Lediglich die dünne Schnur, die als Fangriemen dabei war ersetzte ich durch Paracord.
Es kostete 136 kanadische Dollar. Hinzu kam der Versand und rund 26 Euro Importzoll. Diesmal mußte ich das Messer auch nicht beim Zollamt abholen, sondern ich konnte den Zoll ganz einfach an der Haustüre beim Postboten bezahlen.


Die Grohmann-Geschichte begann mit einem kanadischen Händler aus Quebeck, der vor dem Zweiten Weltkrieg jährlich eine Einkaufstour ins Sudentenland unternahm. In dem Ort Nixdorf (heute zu Tschechien gehörend), dessen Messerindustrie damals Weltruf hatte, kaufte er Messer und diskutierte mit seinem Lieferanten Rudolph Grohmann, ob er sich nicht in Kanada ansiedeln wollte. Erst 1949, als die Deutschen in Nixdorf enteignet und vertrieben wurden, konnte sich Grohmann entschliessen, nach Kanada (Nova Scotia) zu gehen.

Grohmann Folder


Schließlich entwickelte Grohmann dort gemeinsam mit dem Kanadier Deane H. Russel und mit dem Rat vieler Jäger und Trapper das Messerdesign des "D.H. Russel Belt Knives". Das Messer fand schnell international Anerkennung und Grohmann und Russel entwickelten basierend auf dieser Form mehrere weitere Messer, darunter das "Trout and Bird" und das "Survival".
Die seit 1961 existierende Firma "Grohmann Knives Limited" ist bis heute ein Familienunternehmen und hat nur 25 Mitarbeiter.


Einheiten der kanadischen Streitkräfte verwendeten diesen Messertyp unter dem Namen "Russel Belt Knive" in den 1970er und 1980er Jahren und offenbar teilweise bis heute. Inzwischen stellt zumindest auch ein anderer Hersteller diese Messerform als "Canadian Belt Knife" her (Cold Steel).



Das Grohmann- Messer ist gewöhnungsbedürftig, was Aussehen und Handhabung betrifft. Speziell das "Survival" ist mir zum Aufbrechen und Versorgen von Wild zu groß und die Klinge zu breit. Für die Zubereitung von Feuerholz oder das Anlegen eines Blinds ist es mir hingegen nicht wuchtig und Kopflastig genug. Das Messer ist ein Kompromiss.

Bei einer Pirschjagd im Frühjahr oder Herbst, wo man nicht mehrtägig nur draußen ist, würde ich deshalb weiterhin lieber das schwere Longhorn-Bowie für grobe Arbeiten und ein kleines Klappmesser zum Aufbrechen mitnehmen, auch wenn ich damit zugleich auch wesentlich mehr Gewicht tragen muß. Bei einer Winterjagd mit mehrtägigem Aufenthalt draußen im Zelt hingegen, ist das Grohmann-Messer eine gute Lösung, denn dann zählt jedes Gramm Gewicht.